Blick in die Ausstellung. Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Blick in die Ausstellung. Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
M.B. (ursprünglich "Mannschaftsblock") 89 auf dem Gelände der heutigen Niedersachsenkaserne
Richtfest im Truppenlager Belsen, Dezember 1935. Sammlung Hinrich Baumann
Postkarte mit der Hauptwache des Truppenlagers Belsen, 1936. Sammlung Hinrich Baumann
Blick über das DP-Camp Bergen-Belsen, undatiert. The Wiener Library, London

Ausstellung „Aufrüstung, Krieg und Verbrechen. Die Wehrmacht und der Truppenübungsplatz Bergen“

Eine Ausstellung der Gedenkstätte Bergen-Belsen in Kooperation mit der Leibniz Universität Hannover am "Lernort M.B. 89" in der Niedersachsen-Kaserne (Bergen-Hohne). Zugänglich ist sie zunächst nur auf Vereinbarung. (Kontakt: Bergen-Belsen@stiftung-ng.de)

Die Geschichte des Truppenübungsplatzes und der Kaserne Bergen-Hohne ist untrennbar mit der der Kriegsgefangenenlager am Übungsplatz und des KZ Bergen-Belsen verbunden. Der Truppenübungsplatz wurde 1935 im Rahmen der Aufrüstungs- und Kriegspolitik des NS-Regimes eingerichtet. Hier übte die Wehrmacht den Angriffskrieg, dem ab 1939 Millionen Menschen auch jenseits von Kampfhandlungen zum Opfer fielen –- darunter Zehntausende Kriegsgefangene, die in Lagern am Übungsplatz untergebracht waren, und mehr als 52.000 Häftlinge des KZ Bergen-Belsen.

Die Spuren der Verbrechen rund um die heutige Niedersachsen-Kaserne sind unübersehbar. In der Gedenkstätte Bergen-Belsen befinden sich die im April und Mai 1945 angelegten Massengräber mit Zehntausenden Toten. Die Toten des Kriegsgefangenenlagers Bergen-Belsen wurden auf dem nahen Kriegsgefangenenfriedhof Hörsten bestattet, und mit dem sogenannten Zelttheaterfriedhof und dem Kleinen Friedhof befinden sich zwei KZ-Friedhöfe innerhalb des Kasernengeländes.

Viele Gebäude in der Niedersachsen-Kaserne, die von 1945 bis 1950 als Displaced Persons Camp genutzt wurde, zeugen zudem vom Neubeginn jüdischen Lebens nach 1945. Das ehemalige Offizierskasino der Wehrmacht, später Roundhouse genannt, war, wie das ehemalige Truppenkino, ein wichtiger Versammlungsort der Selbstverwaltungskomitees der Überlebenden. Auch kulturelle Veranstaltungen fanden hier zur Zeit des Displaced Persons Camps statt.

Der Geschichte des historischen Ortes im Besonderen wie auch der Geschichte der Wehrmacht und ihrer Verbrechen im Allgemeinen widmet sich unsere neue Ausstellung, die ab Ende April 2019 im Gebäude M.B. 89 in der Niedersachsen-Kaserne präsentiert wird. Dieses in den 1930er Jahren errichtete Gebäude ist weitgehend original erhalten und beherbergte in den letzten Tagen vor der Befreiung Häftlinge des KZ Bergen-Belsen. Später diente es zunächst als Unterkunft für polnische und ab 1946 für jüdische Displaced Persons.

Die Ausstellung verdeutlicht, dass Krieg und Verbrechen von Beginn der NS-Herrschaft an geplant waren. Anschaulich stellt sie dar, dass die Wehrmacht eine tragende Säule der NS-Diktatur darstellte. Zudem widmet sie sich den Fragen, welche Handlungsspielräume Soldaten hatten und wie die deutsche Gesellschaft und die Bundeswehr nach 1945 mit dem schwierigen Erbe der Wehrmacht umgingen.

Ab Sommer 2019 wird der "Lernort M.B. 89" über einen eigenen Kasernenzugang offen zugänglich sein. Die Ausstellung wird dann regelmäßige Öffnungszeiten haben. Bis dahin ist sie nur nach vorheriger Absprache und zu besonderen Terminen geöffnet.