Ungesühnt – Verschwiegen – Ein Heimatbild

Kunstinstallation von Peter Barth

Am 8. April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, wurde bei einem Bombenangriff auf die Bahnanlagen beim Celler Güterbahnhof ein Transportzug getroffen, der etwa 3.400 Häftlinge aus den Konzentrationslagern Salzgitter-Drütte und Holzen in das Konzentrationslager Bergen-Belsen bringen sollte. Ein Teil der Überlebenden konnte sich aus den Waggons befreien und fliehen. Sie wurden von Angehörigen der SS, der Wehrmacht, der Polizei und Celler Zivilisten verfolgt Mindestens 170 der entflohenen Häftlinge wurden von ihnen im Stadtgebiet Celles ermordet. Die überlebenden Häftlinge aus den Transporten wurden zum Teil auf einen Fußmarsch in das KZ Bergen-Belsen getrieben, auf dem wiederum viele starben. Ein anderer Teil der Häftlinge verblieb in der Celler Heidekaserne, wo sie später von den Briten befreit wurden. Nach Kriegsende stellte die britische Militärregierung zwar 14 Beteiligte vor ein Militärgericht, aber es kam lediglich in einigen Fällen zu Gefängnisstrafen, die nicht einmal vollständig verbüßt werden mussten und in anderen zu Freisprüchen.

 

Dieses Verbrechen wurde in der Celler Stadtgesellschaft lange verdrängt, erst in den 1980er Jahren begann die Aufarbeitung und 1992 wurde ein Denkmal eingeweiht. Die Installation des  Künstlers Peter Barth erinnert an das Massaker vom April 1945.  Als Kind wurde er Augenzeuge des Verbrechens, dessen Erinnerung ihn zeitlebens nicht mehr losließ. Mit 170 fiktiven Porträts versucht der 1939 in Celle geborene Künstler, an die Ermordeten zu erinnern und ihnen ein Gesicht zu geben.

 

 

Die Kunstinstallation wird vom 14. August bis 13. November 2022 im Forum des Seminar- und Verwaltungsgebäudes der Gedenkstätte Bergen-Belsen gezeigt.

 

 

Zum Künstler

Peter Barth, 1939 in Celle geboren, lebt bei Reutlingen in Baden-Württemberg und war als Lehrer für Haupt-,Real- und Sonderschulen tätig. Seine künstlerischen Arbeitsbereiche umfassen Zeichnung, Malerei, Druckgrafik, Objekt und Installation. Weitere Angaben finden sich auf seiner Webseite.

 

 

Weiterführende Informationen

Wir empfehlen für vertiefende Informationen rund um das Celler Massaker und breiteren historischen Zusammenhängen folgende Webseiten und Bücher:

 

  • Wikipedia-Eintrag: Massaker von Celle
  • Celle im Nationalsozialismus
  • Regine Heubaum und Jens-Christian Wagner (Hg.): Zwischen Harz und Heide. Todesmärsche und Räumungstransporte im April 1945, Göttingen 2015. (In unserem Buchshop vor Ort und online erhältlich)
  • Jens-Christian Wagner (Hg.): 70 Tage Gewalt, Mord, Befreiung. Das Kriegsende 1945 in Niedersachsen, Göttingen 2016. (In unserem Buchshop vor Ort und online erhältlich)
  • Jens-Christian Wagner (Hg.): Wiederentdeckt. Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Holzen, Göttingen 2013. (Im Buchhandel erhältlich)
  • Julius H. Kriszan: Die Todesmärsche durch Winsen (Aller) im April 1945, Winsen (Aller) 2017. (In unserem Buchshop vor Ort erhältlich)
  • Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Celle e.V.: Jüdisches Leben in Celle nach 1945, Münster 2005. (In unserem Buchshop vor Ort erhältlich)
  • Bernhard Strebel: Celle April 1945 revisited: Ein amerikanischer Bombenangriff, deutsche Massaker an KZ-Häftlingen und ein britisches Gerichtsverfahren, Bielefeld 2008. (Vergriffen)