Gesamtchronologie

Juni 1940
Die Wehrmacht nutzt ein bereits bestehendes Barackenlager, etwa zwei Kilometer südlich des Truppenlagers Belsen, zur Unterbringung von 600 französischen und belgischen Kriegsgefangenen.

Mai/Juni 1941
Ausbau des Lagers zum Mannschafts-Stammlager und Lazarett für sowjetische Kriegsgefangene – Stalag XI C (311) Bergen-Belsen.

Juli 1941
Ankunft des ersten Transports mit 2000 sowjetischen Kriegsgefangenen. Bis zum Herbst werden mehr als 21 000 Gefangene aus der Sowjetunion eingeliefert. Da kaum Unterkunftsbaracken fertiggestellt sind, müssen sie auf freiem Feld, in Erdhöhlen und Laubhütten leben.

ab August 1941
Ein Einsatzkommando der Gestapo führt „Aussonderungen“ unter den Kriegsgefangenen durch. Mindestens 500 Juden und politische Funktionäre werden in das KZ Sachsenhausen transportiert und dort ermordet.

Anfang April 1942
Im Zeitraum von Juli 1941 bis April 1942 sterben 14 000 sowjetische Kriegsgefangene vor allem an Hunger, Seuchen und Kälte.

April 1943
Die Wehrmacht tritt den südlichen Teil des Lagergeländes an die SS ab, die dort ein „Austauschlager“ einrichtet. Hier sollen jüdische Häftlinge als Geiseln festgehalten werden, um sie gegen im Ausland internierte Deutsche austauschen zu können. Das Austauschlager ist Teil des nationalsozialistischen KZ-Systems.
Das Kriegsgefangenenlazarett im nördlichen Teil des Lagergeländes bleibt unter Leitung der Wehrmacht bestehen.

Juni 1943
Auflösung des Stalag XI C (311). Das Lazarett für Kriegsgefangene wird zu einem Zweiglager des Stalag XI B Fallingbostel.

Juli 1943
Transport von mehr als 2300 polnischen Juden in das Austauschlager des KZ Bergen-Belsen. Insgesamt werden bis Ende 1944 mindestens 14 600 Juden dorthin transportiert, die meisten aus Ungarn und den Niederlanden.

Oktober 1943
Etwa 1800 polnische Juden werden von Bergen-Belsen nach Auschwitz-Birkenau transportiert und dort direkt nach der Ankunft ermordet.

ab März 1944
Im KZ Bergen-Belsen wird ein neuer Lagerteil eingerichtet. In dieses Männerlager transportiert die SS Tausende kranke und arbeitsunfähige Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern.

Ende Juni 1944
Ein Transport mit 222 Juden verlässt das Austauschlager des KZ Bergen-Belsen in Richtung Palästina. Insgesamt gelangen bis April 1945 etwa 2560 Austauschhäftlinge in die Freiheit.

Ende Juli 1944
Verlegung des Lazaretts für italienische Militärinternierte mit 500 zumeist Tuberkulosekranken aus Fallingbostel-Oerbke in das Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen.

ab August 1944
Einrichtung eines neuen Lagerabschnitts für weibliche Häftlinge im KZ Bergen-Belsen. Ankunft von Tausenden Frauen, vor allem aus dem KZ Auschwitz. Weitertransport der meisten Frauen zur Zwangsarbeit in andere Konzentrationslager sowie in drei Außenlager des KZ Bergen-Belsen.

Oktober/November 1944
Nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands werden 1000 Soldatinnen und Offiziere der polnischen Heimatarmee als Kriegsgefangene nach Bergen-Belsen gebracht.
Mehrere Tausend Zivilisten aus dem Warschauer Aufstand – ausschließlich Frauen und Kinder – sind bereits seit August in das Frauenlager des KZ Bergen-Belsen transportiert worden.

Dezember 1944
Der ehemalige Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, SS-Hauptsturmführer Josef Kramer, wird neuer Lagerkommandant des KZ.

ab Dezember 1944
Im Rahmen der Räumung frontnaher Konzentrationslager werden bis Mitte April 1945 mindestens 85 000 Häftlinge nach Bergen-Belsen transportiert.

Januar 1945
Auflösung des Kriegsgefangenenlagers Bergen-Belsen. Die Gefangenen sind zuvor in andere Kriegsgefangenenlager verlegt worden.

Anfang April 1945
Drei Zugtransporte mit etwa 6700 Häftlingen des Austauschlagers verlassen Bergen-Belsen vermutlich mit dem Ziel Ghetto Theresienstadt.
Mehr als 15 000 Häftlinge aus dem KZ Mittelbau-Dora und dessen Außenlagern werden in der nahe gelegenen Wehrmachtskaserne untergebracht.

15. April 1945
Britische Truppen befreien etwa 53 000 Häftlinge des KZ Bergen-Belsen. Von 1943 bis 1945 kamen im Konzentrationslager Bergen-Belsen und durch die unmittelbaren Folgen der Haft mindestens 52 000 Frauen, Männer und Kinder um. Im Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen starben von 1940 bis 1945 mindestens 19 700 Menschen.

April/Mai 1945
Bestattung von mehr als 20 000 Opfern des KZ Bergen-Belsen in Massengräbern. Überführung von knapp 29 000 Überlebenden aus dem Konzentrationslager in ein von den Briten eingerichtetes Nothospital in der ehemaligen Wehrmachtskaserne. Die Überlebenden erhalten den Status von „Displaced Persons“ (DPs).
Um die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern, brennen die Briten die meisten Holzbaracken auf dem ehemaligen Lagergelände nieder.

Juni bis Oktober 1945
Das Nothospital wird zum Displaced Persons Camp, das bald darauf in ein polnisches und ein jüdisches DP-Camp aufgeteilt wird.

September bis November 1945
Erster Belsen-Prozess in Lüneburg vor einem britischen Militärgericht.

September 1945
Der erste Kongress der befreiten Juden in der britischen Zone findet im DP-Camp Bergen-Belsen statt.

Oktober 1945
Der Kommandeur der britischen Militärregierung ordnet die Planung eines angemessenen Gedenkortes auf dem ehemaligen Lagergelände an.

bis Herbst 1945
Repatriierung der meisten Displaced Persons aus Nord-, West- und Südeuropa in ihre Herkunftsländer. Zwangsrückführung der sowjetischen Überlebenden.

November 1945
Polnische Überlebende weihen zum Gedenken an die Opfer ein großes Holzkreuz auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers ein.
Auf Anordnung der sowjetischen Militärmission hin wird ein Ehrenmal auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Bergen-Belsen errichtet.

Anfang März 1946
Die United Nations Relief & Rehabilitation Administration (UNRRA) übernimmt die Verwaltung des DP-Camps von der britischen Armee.

April 1946
Jüdische Überlebende enthüllen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers ein Mahnmal zum Gedenken an die jüdischen Opfer.

Juni bis September 1946
Verlegung der polnischen Displaced Persons und Auflösung des polnischen DP-Camps. Bergen-Belsen wird zum größten jüdischen DP-Camp im Nachkriegsdeutschland.

1946 bis 1952
Umgestaltung eines Teils des früheren Lagergeländes zu einer Gedenkstätte. Bau eines internationalen Mahnmals.

ab 1948
Mit Gründung des Staates Israel und Erleichterung der Einreisebestimmungen in die USA und andere Länder können die meisten jüdischen DPs auswandern.

Mai bis Juli 1950
Auflösung des DP-Camps Bergen-Belsen. Die verbliebenen Bewohner werden nach Upjever verlegt.

November 1952
Einweihung der Gedenkstätte Bergen-Belsen und Übergabe an das Land Niedersachsen.

1960/61
Umfangreiche landschaftliche Umgestaltung des Gedenkstättengeländes.

1964 bis 1968
Umfassende Umgestaltung des Kriegsgefangenenfriedhofs Bergen-Belsen

April 1966
Ein erstes Dokumentenhaus mit einer Ausstellung zur Geschichte des KZ Bergen-Belsen wird eröffnet.

April 1990
Eröffnung einer neuen Dauerausstellung im erweiterten Dokumentenhaus der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Oktober 2007
Eröffnung des neuen Dokumentationszentrums der Gedenkstätte Bergen-Belsen mit einer Dauerausstellung zu den Kriegsgefangenenlagern in der Lüneburger Heide, dem Konzentrationslager Bergen-Belsen und dem Displaced Persons Camp.

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