
Militärische Verladerampe zwischen Bergen und Belsen, 2008. Foto Christian Wolpers. GBB (SnG)
Räumungstransporte
Im April 1945, kurz vor der Ankunft britischer Truppen, räumte die SS das Austauschlager Bergen-Belsen weitgehend. Etwa 6700 jüdische Frauen, Männer und Kinder sollten mit drei Bahntransporten vermutlich in das Konzentrationslager Theresienstadt im heutigen Tschechien verlegt werden. Die meisten Häftlinge waren krank, und die Versorgung war für die langen Fahrten völlig unzureichend. Nur ein Zug erreichte Theresienstadt. Die beiden anderen Züge wurden bei Farsleben nördlich von Magdeburg von amerikanischen bzw. bei Tröbitz in der Niederlausitz von sowjetischen Truppen befreit. Friedhöfe, Gedenktafeln und Mahnmale erinnern dort an das Geschehen.
Farsleben (Sachsen-Anhalt)
Ein erster Zug mit ungefähr 2500 Häftlingen verließ Bergen-Bergen am 6. April 1945 und kam nach sechstägiger Fahrt in der Nähe von Farsleben zum Stehen. Verlassen von den deutschen Bewachern wurde er am folgenden Tag von amerikanischen Einheiten befreit. Diese brachten die Befreiten zunächst in den umliegenden Ortschaften unter, bevor sie in den folgenden Tagen in ein ehemaliges Truppenlager der Wehrmacht in Hillersleben gebracht wurden.
Auf dem Gemeindefriedhof in Farsleben erinnern ein Gedenkstein und eine Gedenktafel an die 32 dort begrabene Opfer des Transports. Auf dem Gelände der Kaserne in Hillersleben war 1945 kurzzeitig ein Lager für die DPs eingerichtet worden. Dort wurden auf einem jüdischen Friedhof 143 Menschen begraben.
Zernitz (Brandenburg)
Am 9. April 1945 verließ der zweite Zug mit über 1700 vorwiegend ungarischen Häftlingen Bergen-Belsen. Nach zwölftägiger Fahrt durch Deutschland, während der eine Typhusepidemie ausbrach und der Transport aus der Luft bombardiert wurde, erreichte der Zug das Konzentrationslager Theresienstadt. Die Überlebenden wurden am 8. Mai 1945 von Einheiten der Roten Armee befreit.
Für die 48 Opfer des alliierten Luftangriffs wurde in Zernitz ein jüdischer Friedhof angelegt, später kam ein Gedenkstein hinzu. Auf Initiative von Überlebenden des Konzentrationslagers Bergen-Belsen wurden 2010 zwei weitere Tafeln mit den Namen der Bestatteten und Inschriften in ungarischer, hebräischer und deutscher Sprache errichtet. Ein regionales Recherche- und Ausstellungsprojekt zu diesen Ereignissen wird durch die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten fachlich unterstützt.
Tröbitz (Brandenburg)
Der letzte der drei Transporte ging als „Verlorener Transport“ in die Geschichte ein. Er fuhr nach der Abfahrt am 11. April 1945 zwei Wochen lang durch Deutschland. Die Odyssee dieser jüdischen Häftlinge endete am 23. April 1945 nahe Tröbitz, als die Rote Armee die Menschen befreite. In dem Zug starben während der Fahrt mindestens 133 Häftlinge. Die Toten wurden neben den Gleisen verscharrt. Weitere 320 Menschen starben nach der Befreiung an Krankheiten und Auszehrung.
Nach der Befreiung wurde ein Friedhof eingerichtet, auf dem die Toten beigesetzt wurden. Im Jahre 1966 wurde er zu einer Gedenkstätte gestaltet. Auf Initiative der "Lost Transport Victims Memorial Society" wurde am 27. April 1995 eine Gedenkwand auf dem Jüdischen Ehrenfriedhof in Tröbitz eingeweiht. Am Rand der damaligen Fahrtroute wurden im Laufe der Jahre ebenfalls Gedenksteine und Grabplatten errichtet.
Am 25. April 2003 wurde in der Gemeinde Schipkau, die der Transport 1945 durchfahren hatte, eine weitere Gedenkstätte zum „Verlorenen Transport“ eingeweiht.
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