Kriegsgefangenenfriedhöfe

Der Kriegsgefangenenfriedhof Bergen-Belsen (Friedhof Hörsten)
Etwa 600 Meter vom ehemaligen Lager entfernt liegt der Friedhof mit den Opfern des Kriegsgefangenenlagers Bergen-Belsen. Zwischen 1941 und 1945 wurden dort mindestens 19 580 sowjetische Kriegsgefangene zumeist in Massengräbern bestattet; die meisten starben im Winter 1941/42 an Unterernährung und Krankheiten. Außerdem wurden auf dem Friedhof 142 italienische Militärinternierte und neun polnische Kriegsgefangene in Einzelgräbern beerdigt.

1945 ließ die sowjetische Militärmission den Friedhof gestalten. Zentrales Element war ein aufwändig arrangierter Eingangsbereich, der aus einem Tor und einem Mahnmal bestand. Das Relief „Die Trauernde“ für das im November 1945 eingeweihte Ehrenmal schuf der ukrainische Bildhauer Mykola Muchin. Die Abteilung mit den Gräbern der italienischen Militärinternierten wurde Anfang der 1950er Jahre neu gestaltet und erhielt ein steinernes Ehrenmal; 1958 wurden die Toten dann auf den Friedhof Hamburg-Öjendorf umgebettet.

Sein heutiges Aussehen erhielt der Friedhof im Wesentlichen durch Umgestaltungsmaßnahmen, die die Bezirksregierung Lüneburg, beraten durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, in den Jahren 1964 bis 1968 durchführen ließ. Der Friedhof erhielt einen neuen Eingang, die Gräber wurden durch flache Hügel optisch zusammengefasst und neue Wege zum Teil über Grabflächen hinweg angelegt. Im Zentrum der Anlage wurde ein neuer Gedenkstein aufgestellt, das sowjetische Mahnmal dagegen an eine abgelegene Stelle am Rand des Friedhofs versetzt. Unbekannte zerstörten 1980 das Relief „Die Trauernde“. Daraufhin wurde das sowjetische Mahnmal restauriert und mit einer Nachbildung des Kunstwerks an seinem heutigen Standort neu errichtet. Das wieder zusammengesetzte Original befindet sich heute in der Dauerausstellung der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Der Kriegsgefangenenfriedhof Oerbke
Am westlichen Rand des Truppenübungsplatzes Bergen befindet sich der Friedhof mit den Opfern der Kriegsgefangenenlager Fallingbostel und Oerbke. Dort sind mindestens 14 000 sowjetische Kriegsgefangene zumeist in Massengräbern sowie 232 Soldaten verschiedener Nationen in Einzelgräbern bestattet, die zwischen 1940 und 1945 in den beiden Lagern starben.

Die sowjetische Militärmission veranlasste 1945 die Gestaltung der etwa 1,5 Hektar großen Anlage. Wie für den Kriegsgefangenenfriedhof Bergen-Belsen fertigte der ukrainische Bildhauer Mykola Muchin ein Marmorrelief als Bestandteil des zentralen Mahnmals an, das im Juli 1945 feierlich eingeweiht wurde.

Zwischen 1962 und 1965 ließ die Bezirksregierung Lüneburg, beraten vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, den Friedhof landschaftlich umgestalten. 1964 wurde das sowjetische Mahnmal abgetragen und durch ein Monument des Celler Künstlers Klaus Seelenmeyer ersetzt. Die Gräber wurden eingeebnet, mit einer Rasenfläche überdeckt und Grabsteine für die namentlich bekannten Toten aufgestellt. In den späten1980er und frühen 1990er Jahre kamen ein russisch-orthodoxes Sandsteinkreuz sowie ein polnischer und ein französischer Gedenkstein hinzu. Gegenwärtig stehen auf dem Friedhof über 100 Grabsteine mit mehr als 900 Namen von französischen, jugoslawischen, polnischen, belgischen und sowjetischen Opfern.

Der Kriegsgefangenenfriedhof Wietzendorf
Am Südrand des Truppenübungsplatzes Munster befindet sich der Friedhof mit den 16 000 sowjetischen Opfern des Kriegsgefangenenlagers Wietzendorf aus den Jahren 1941 bis 1943. Während des Massensterbens im Winter 1941/42 kamen in Wietzendorf rund 14 500 Soldaten der Roten Armee durch Unterernährung und Krankheiten ums Leben.

Im September 1945 befand sich die 2,4 Hektar große Anlage mit ihren eingesunkenen Massengräbern und der von Heidekraut überwachsenen Fläche in einem schlechten Zustand. Auf Anordnung der sowjetischen Militärmission wurde der Friedhof neu gestaltet; im Dezember 1945 fand die Einweihung des sowjetischen Ehrenmals statt.

Der auf militärischem Sperrgebiet gelegene und daher schlecht erreichbare Friedhof geriet danach in Vergessenheit. Nach Protesten ausländischer Besucher und engagierter Bürger wurde das Gelände 1968 im Auftrag der Bezirksregierung Lüneburg instand gesetzt und neu gestaltet. Seither bedeckt eine zusammenhängende Rasenfläche die Gräber, sodass diese heute nicht mehr zu erkennen sind. Der Friedhof wurde 1990 unter Mithilfe internationaler Jugendgruppen durch einen zweiten Eingang und einen neuen Zugangsweg erschlossen, damit ein Besuch unabhängig vom Betrieb des Truppenübungsplatzes möglich ist.

Informationstafel auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Bergen-Belsen, eingeweiht am 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion, 22. Juni 2011. Foto Heike Rudolph. GBB (SnG)

Zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 2011 wurde auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Bergen-Belsen eine Informationstafel eingeweiht.

Texte der Tafel in deutscher und englischer Sprache (PDF)

Texte der Tafel in russischer, italienischer und polnischer Sprache (PDF)

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