
Einige der 2009 erworbenen Originalexemplare seltener Publikationen. Foto Klaus Tätzler. GBB (SnG)
Zeitzeugen-Interviews
Seit 1999 werden lebensgeschichtliche Video-Interviews mit Überlebenden des Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagers, Bewohnern des DP-Camps und weiteren Zeitzeugen für die wissenschaftliche, pädagogische und museale Arbeit der Gedenkstätte Bergen-Belsen geführt. Insgesamt sind bislang fast 400 Interviews mit einer Gesamtlänge von etwa 1800 Stunden aufgezeichnet worden. Dieses Videomaterial bildet einen zentralen Quellenbestand der Gedenkstätte.
Im Mittelpunkt der audiovisuellen Dokumentation von Lebensgeschichten stehen die Überlebenden des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Entsprechend der Häftlingsstruktur überwiegt die Anzahl der Interviews mit Jüdinnen und Juden sowie politisch Verfolgten. Hinzu kommen in geringerer Zahl Interviews mit Sinti und Roma und Zeugen Jehovas, mit ehemaligen polnischen und sowjetischen Kriegsgefangenen, italienischen Militärinternierten sowie mit weiteren Zeitzeugen wie ehemaligen britischen Soldaten, Mitgliedern des Hilfspersonals im DP-Camp oder Anwohnern aus der Umgebung. Mehr als sechs Jahrzehnte nach der Befreiung ist es nicht mehr möglich, mit Frauen und Männern aller Häftlingskategorien zu sprechen. So existieren aus der Gruppe der wegen ihrer Homosexualität im KZ Bergen-Belsen inhaftierten Männer keine Interviews. Gleiches gilt für ehemalige Häftlinge aus den Gruppen der sogenannten „Asozialen“ oder „Berufsverbrecher“.
Die Lebensberichte zeigen anhand des Einzelschicksals das individuelle Erleben und die persönliche Sicht auf das historische Geschehen. Sie ergänzen die unvollständigen Aktenüberlieferungen und thematisieren Ereignisse und Situationen, über die aus anderen Quellen nichts oder nur sehr wenig bekannt ist. Viele Aspekte, insbesondere der Lagergeschichte und der Lebens- und Überlebensbedingungen, sind überhaupt nur durch diese Selbstzeugnisse dokumentierbar. Durch den lebensgeschichtlichen Ansatz der Interviews wird nicht nur die Phase der nationalsozialistischen Verfolgung und des Zweiten Weltkrieges, sondern auch die Lebenssituation der Menschen davor und danach dokumentiert.
Die Video-Interviews wurden weltweit und in zehn Sprachen geführt. Die überwiegende Mehrheit der Aufnahmen entstand am heutigen Wohnort der Zeitzeugen. Viele Überlebende und andere Zeitzeugen sprachen aber auch während eines Besuches in der Gedenkstätte Bergen-Belsen vor der Kamera über ihr Leben vor, während und nach der Verfolgung.
