Studientage

Studientage umfassen sechs Zeitstunden und ermöglichen Gruppen eine gründlichere Beschäftigung mit einzelnen Themen oder Zugängen. Sie sind für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene konzipiert. Studientage bieten Gelegenheit, sich neben einer thematischen Führung auf methodisch vielfältigere Weise intensiv mit Quellen und Zeugnissen insbesondere von ehemaligen Gefangenen und Häftlingen auseinanderzusetzen. Konkrete Beispiele und Dokumente regen zu einer eigenständigen Beschäftigung mit der Geschichte Bergen-Belsens und zur Reflexion über die Gegenwart an.

Die Studientage werden in Deutsch, Englisch, Französisch, Hebräisch, Niederländisch, Polnisch und Russisch angeboten. Aufgrund der hohen Nachfrage ist eine frühzeitige Terminabsprache erforderlich. Sie ist auch Voraussetzung, um den Studientag vorab individuell abstimmen zu können.

Termine können unter besucheranmeldung@stiftung-ng.de, telefonisch +49 (0) 5051 – 47 59-112 zwischen 9 – 12 Uhr und über ein Online-Formular vereinbart werden.

Kosten:
Für Führungen und Studientage ab dem 1. Januar 2017 werden Teilnahmebeiträge von 3 € (2 € ermäßigt) pro Person erhoben. Diese Beiträge können vor Ort entrichtet werden.

Studientag „Sowjetische Kriegsgefangene“
Schon vor der Errichtung des Konzentrationslagers war das Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen ein Ort des Leidens und Sterbens. Unmenschliche Lebensbedingungen, verantwortet von der deutschen Wehrmacht unter Missachtung jeglicher Menschenrechtskonvention, führten zum Tod von etwa 20 000 sowjetischen Kriegsgefangenen. Thematische Schwerpunkte des Studientages sind die Planung des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion, die Kriegsgefangenenlager in Oerbke, Wietzendorf und Bergen-Belsen, Zwangsarbeit von sowjetischen Kriegsgefangenen und Zivilisten sowie die Situation der ehemaligen Kriegsgefangenen nach der Rückkehr in die Sowjetunion.

Studientag „Kinder und Jugendliche im Konzentrationslager Bergen-Belsen“
Etwa 500 der überlebenden KZ-Häftlinge, die am 15. April 1945 von britischen Truppen in Bergen-Belsen befreit wurden, waren unter 16 Jahren alt. Insgesamt waren mindestens 2750 Kinder zu unterschiedlichen Zeiträumen in Bergen-Belsen inhaftiert. Was lässt sich über ihre Lebenssituation im KZ sagen? Wie reagierten sie auf Hunger, Krankheit, Angst und Tod? Wie haben sie die Zeit im KZ verbracht? Wer kümmerte sich um sie und wie? Wie hat sich die Zeit im KZ auf ihre weitere Entwicklung ausgewirkt? Teilnehmende begeben sich am Studientag „Kinder und Jugendliche im Konzentrationslager Bergen-Belsen“ auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen.

Studientag „Das Konzentrationslager im Spiegel von Häftlingsaufzeichnungen“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Studientags beschäftigen sich mit exemplarischen Auszügen von Tagebüchern, die im KZ Bergen-Belsen geschrieben wurden. Diese Aufzeichnungen lassen die individuell und subjektiv erlebte Lagergeschichte lebendig werden. Zeichnungen von Häftlingen – die einzigen bildlichen Darstellungen aus dem KZ Bergen-Belsen vor der Befreiung – ergänzen die Informationen über die Situation im Lager. Gleichzeitig werfen die Bilder neue Fragen über die Motive der Künstlerinnen und Künstler und die Entstehungssituationen der Bilder auf. Auch diesen Fragen wird während des Studientags nachgegangen.

Studientag „Das Verhältnis der Bevölkerung aus der Umgebung zur Geschichte von Bergen-Belsen“
Die Bevölkerung der Region Bergen wurde nicht gefragt, als zunächst durch den Bau des Truppenübungsplatzes Bergen-Hohne und später durch das Geschehen im Lager Bergen-Belsen ihre engere Heimat in den Mittelpunkt des politischen Geschehens und danach der geschichtlichen Betrachtung gerückt wurde. Die Beschäftigung mit neueren Quellen und Interviews von Anwohnern ermöglicht Antworten auf die Fragen: Was wussten die Menschen damals über das Kriegsgefangenenlager, Aufenthaltslager, Konzentrationslager? Welche Meinungen zu Bergen-Belsen und zur Arbeit der Gedenkstätte herrschen in der Bevölkerung heute vor? Gibt es Parallelen zu anderen ehemaligen Lagern?

Studientag „Anne Frank – auf der Spur eines Mädchens“
Anne Frank ist für viele Menschen ein Symbol für die Entrechtung und Verfolgung der Juden im Dritten Reich. Gleichzeitig ist sie auch eine Identifikationsfigur für die Leserinnen und Leser ihres Tagebuchs. Anne und ihre Schwester Margot wurden im Frühjahr 1945 Opfer der unmenschlichen Lebensverhältnisse im KZ Bergen-Belsen. Der Studientag versucht Annes Leben nach der Entdeckung ihres Amsterdamer Verstecks und der Deportation über die Lager Westerbork und Auschwitz-Birkenau nach Bergen-Belsen zu beleuchten. Dabei werden z. B. durch einen Vergleich von Annes Schicksal mit dem ihrer Freundin Hanna Goslar, die das KZ Bergen-Belsen überlebte, unterschiedliche (Über-)Lebensbedingungen in Bergen-Belsen deutlich. Angesichts der hohen Zahl namenloser jugendlicher Opfer des KZ Bergen-Belsen können Gruppen älterer Schülerinnen und Schüler auch kritisch diskutieren, wieso gerade Anne Franks Schicksal eine derart enorme Beachtung erfährt.

Studientag „Frauen im Konzentrationslager Bergen-Belsen“
Zwischen August und November 1944 brachte die SS mindestens 9000 Frauen in das eigens eingerichtete Frauenlager Bergen-Belsen. Zu den Häftlingen gehörten zunächst Polinnen, die im Warschauer Aufstand gekämpft hatten. Manche von ihnen wurden gemeinsam mit ihren Kindern nach Bergen-Belsen deportiert. Später kamen vor allem ungarische und polnische Jüdinnen aus dem Konzentrationslager Auschwitz ins Frauenlager. Der Studientag beschäftigt sich mit der spezifischen Lebenssituation dieser Frauen im KZ Bergen-Belsen. Wie wurden diese Frauen entwürdigt und entpersonalisiert? Gab es frauenspezifische Überlebensstrategien? Diesen Fragen widmet sich der Studientag aus genderspezifischer Perspektive.

Studientag „Vom Konzentrationslager zur Gedenkstätte Bergen-Belsen“
Die Berichte über das „Inferno von Bergen-Belsen“ konfrontierten die Menschen innerhalb und außerhalb Deutschlands nach dem 15. April 1945 mit den KZ-Verbrechen. Wie kam es aber nach der Befreiung zur Entstehung der Gedenkstätte? Welche Bedeutung hat der Ort heute für Trauer, Mahnung, Lernen und Politik? Der Studientag bietet anhand von Zeitzeugenberichten, Aktenkopien, Filmen, Diskussionen und eigenem Erkunden des Gedenkstättengeländes die Möglichkeit, Fragen nach dem Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Nachkriegszeit zu stellen.

Studientag „Erlebte Verfolgung anhand von Zeitzeugeninterviews“
Bei diesem Studientag geht es um eine vertiefende Auseinandersetzung mit Zeitzeugeninterviews in der Dauerausstellung. In Kleingruppen beschäftigen sich die TeilnehmerInnen anhand mehrerer Interviews an verschiedenen Medienstationen mit dem Leben einer Person, die im Lager Bergen-Belsen war. Anschließend stellen sie anderen TeilnehmerInnen die individuelle Verfolgungsgeschichte und die Erfahrungen der jeweiligen Zeitzeugen vor. Schwerpunkte können auf Themen wie Kinder und Jugendliche oder Frauen gesetzt werden.

Studientag „Lernort Bergen-Belsen“ für Referendare und Multiplikatoren
Schwerpunkt des Studientags ist die Einführung in die Gedenkstätte und die Vorstellung verschiedener Elemente des Gedenkstättenbesuchs. Darüber hinaus wird die thematische und methodische Einbindung des Gedenkstättenbesuchs in den Unterricht/Vermittlungszusammenhang ausführlich behandelt. Die TeilnehmerInnen lernen die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten der Einrichtung sowie gedenkstättenpädagogische Vermittlungsformen und Methoden kennen und können diese diskutieren. Der Studientag eignet sich für Referendare und Referendarinnen der Studienseminare der Fächer Religion, Geschichte, Politik, Werte und Normen, Arbeit/Wirtschaft und Deutsch sowie für Multiplikatoren und Pädagogen der politischen und sozialen Bildungsarbeit.

© 2017 Stiftung niedersächsische Gedenkstätten